Betty Boob

Elisabeth hat den Krebs besiegt, aber ihre linke Brust und ihr üppiges Haar sind weg, als Folge davon kurz darauf auch ihr Mann, und zu allem Elend raubt eine launische Windbö ihr auch noch die Perücke vom Kopf.  Eine wilde Verfolgungsjagt führt sie zu einer Gruppe Menschen, die ihre abweichenden Körper und Träume lieben und ihrer Schönheit schrill und funkelnd Ausdruck verleihen: zu einer burlesken Varieté-Truppe.

Mit wilder Opulenz und zärtlichem Feingefühl erzählen Vero Cazot und Julie Rocheleau auf witzige Weise die Geschichte einer Frau, die sich und ihre Unzulänglichkeiten von tiefstem Herzen lieben lernt und dadurch zu einem äusserst liebens- und bewundernswerten Wesen wird. Dass der Comic fast ohne Worte auskommt, ist Rochelaus präzisem Strich geschuldet: Die Gesichter und Bewegungen ihrer Figuren drücken ganz von alleine aus, was die Handlung in ihnen auslöst und so ihr weiteres Agieren erklärt. Jedes weitere Wort wäre für die Geschichte dieser gefühlvollen Selbstfindung zu viel.

Die Geschichte von Betty Boob hat mich sehr berührt, denn sie macht uns allen Mut, die- oder derjenige zu sein, die wir durch unser Leben nun einmal geworden sind – unabhängig davon, wie sehr unser Äusseres von den Photoshop-Idealen abweichen, die sich tagtäglich in unser Gesichtsfeld drängen. Sie ist eine Liebeserklärung an das Leben zum Tränen lachen, ohne dessen Schwierigkeiten auf die leichte Schulter zu nehmen.

 

Vero Cazot, Julie Rocheleau: Betty Boob. Splitter Verlag 2018.

Ein Lieblingscomic von Agi

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